URBACT ALT/BAU Transfer Netzwerk

ALT/BAU


Grundlage

Das europäische Austauschprogramm URBACT, in dem 550 Städte aus 29 Ländern und mit 7.000 lokalen Akteuren aktiv sind, prämierte Anfang Juli 2017 die Agentur StadtWohnen Chemnitz als eines von 97 vorbildlichen Praxisbeispielen für eine nachhaltige, integrierte Stadtentwicklung. Damit ist die Agentur einer von nur fünf deutschen Preisträgern und der einzige aus Sachsen.

Die Auszeichnung eröffnete die Möglichkeit, weiter im europäischen Rahmen tätig zu sein und sich als Lead Partner für ein Netzwerk europäischer Städte zu bewerben.

Phase 1

Nach der erfolgreichen Bewerbung startete am 4. April 2018 die Phase 1 des URBACT Netzwerkes ALT/BAU – Alternative Building Activation Units. Ziel dieses Netzwerkes ist der Transfer des Wissens und der Erfahrungen der Agentur StadtWohnen Chemnitz in andere europäische Städte zur Wiederbelebung stadtbildprägender und historischer Gebäude, die in den Innenstädten seit vielen Jahren unsaniert leerstehen.

Ein Auftakttreffen der ersten Partnerstädte Rybnik (Polen) und Vilafranca del Penedès (Spanien) fand am 28. und 29. Mai 2018 im polnischen Rybnik statt. Im nächsten Schritt konnten Riga (Lettland), Seraing (Belgien), Constanța (Rumänien) und Turin (Italien) als Partner gewonnen werden.

Netzwerktreffen in Chemnitz

Vertreter dieser Städte, Fachkollegen aus den Stadtverwaltungen sowie Mitarbeiter von stadtnahen Organisationen, trafen sich erstmals bei einem Netzwerktreffen in Chemnitz am 3. und 4. September 2018.

In zwei intensiv genutzten Tagen erlebten die Gäste durch Vor-Ort-Termine die Arbeit und die Vorgehensweise der Agentur StadtWohnen Chemnitz. Auch gegenseitig lernten sich die zukünftigen Netzwerkpartner sehr gut kennen und die zukünftige Zusammenarbeit in Phase 2 wurde organisatorisch abgesteckt.


 

Partner des ALT/BAU Transfernetzwerkes

 

 

Constanta, Rumänien

Eriges Seraing, Belgien

Riga, Lettland

Rybnik, Polen

Vilafranca del Penedes, Spanien

Urban Lab Turin, Italien

ULG-Vertiefungsworkshop zum Chemnitzer Immobilienmarkt, 26.09.2019


Phase 2

Am 4. Dezember 2018 begann die Hauptphase der Netzwerktätigkeit, die bis Juni 2021 andauerte. In Phase 2 fand ein intensiver Austausch zwischen den Netzwerkpartnern statt. Dazu gehörten auch internationale Treffen in den Partnerstädten. Parallel zum internationalen Dialog wurden in den einzelnen Städten Lokale Aktionsgruppen gegründet. In diesen Gruppen arbeiteten verschiedene Akteure an dem Thema der Wiederbelebung von leerstehenden Gebäuden vor Ort weiter. Die Erfahrungen aus den Partnerstädten wurden in den lokalen Arbeitsgruppen ausgewertet und teilweise für die eigene Stadt adaptiert. 

In der Chemnitzer Arbeitsgruppe arbeiteten Vertreter der Stadtverwaltung, der Wohnungswirtschaft, der Wissenschaft und der Kreativwirtschaft gemeinsam an Ideen, wie die Tätigkeit der Agentur StadtWohnen Chemnitz verbessert werden kann. Zuvor wurde die bisherige Arbeit der Agentur durch einen externen Experten evaluiert. Er wertete dazu Dokumente und Fragebögen an Eigentümer aus und führte Interviews mit Akteuren der vergangenen Jahre. Die Evaluationsergebnisse und Empfehlungen für die künftige Tätigkeit sind hier dargestellt.

Netzwerktreffen in den Partnerstädten

Das URBACT Prinzip beruht auf dem Austausch von Ideen und dem Wissenstransfer. Um die Problemlagen sowie die Lösungsansätze und Vorgehensweisen der Partner kennenzulernen, ist es von zentraler Bedeutung, diese vor Ort zu besichtigen. Netzwerktreffen stellen demnach einen wichtigen URBACT Grundsatz dar. Die Partner des ALT/BAU Transfernetzwerkes trafen sich in Seraing (Januar 2019), Vilafranca del Penedès (März 2019), Rīga (Juni 2019) und Constanța (September 2019) und arbeiteten dabei gemeinsam intensiv an verschiedenen Themen. In Riga tauschten sich die Partner beispielsweise zu Möglichkeiten der Leerstandserfassung und Kartierung aus.

Im Dezember 2019 waren die Partner ein zweites Mal in Chemnitz zu Gast. Die Gäste erfuhren dabei vor allem von den Veränderungen im Stadtteil Brühl.

Die geplanten Treffen in Rybnik und Turin konnten leider aufgrund der Coronapandemie im Jahr 2020 nicht durchgeführt werden. Die für die Treffen geplanten Themen „Wie kann soziale Projekte oder kooperative Wohnformen unterstützen, die einen Mehrwert für die Nachbarschaft haben werden?“ und „Welche Formen der niedrigschwelligen Sanierung eignen sich für die Sanierung von Gebäuden?“ uvm. wurden stattdessen in mehreren Onlinemeetings diskutiert.  

Im Juni 2021 konnte dann das Treffen in Turin nachgeholt werden. Vor Ort lernten die Teilnehmer die Arbeit des Urban Lab Torino kennen und waren beeindruckt von der Sammlung an Wissen zu den Entwicklungen und der Umgestaltung der Stadt Turin auf den unterschiedlichsten Themengebieten. Urban Lab Torino sammelt diese Informationen nicht nur, es vermittelt sie an alle Interessierte weiter und wurde so zu seiner wichtigen „Wissensdrehscheibe“ in der Stadt. Die Partnerstädte berichteten während des Treffens von ihren Ergebnissen und Erfolgen, z.B. von den Gründungen von Agenturen nach Chemnitzer Vorbild.

 


Begehung des Brühls während des Netzwerktreffens in Chemnitz 2019

 

 

Ergebnisse des Netzwerkes

Die Stadt Chemnitz konnte durch das URBACT Programm ihr Altbaumanagement strategisch neu ausrichten. Über die inhaltlichen neuen Impulse hinaus gewann die Stadt an Renommee in Europa und der Bekanntheitsgrad des städtischen Projektes wuchs auch vor Ort. Für das Thema konnten lokale, interessierte Akteure gewonnen werden, die auch nach Ende des Netzwerkes gemeinsam an dem Thema weiterarbeiten wollen. 

Agenturen nach Chemnitzer Vorbild  

Vilafranca del Penedès, Seraing, Rybnik und Constanța haben während des Projektes einen Anlaufpunkt nach Vorbild der Agentur StadtWohnen Chemnitz gegründet. Dabei haben die neu gegründeten Agenturen teilweise andere Schwerpunkte als die Chemnitzer Agentur. In Vilafranca beispielsweise wird besonderer Wert auf die soziale Komponente gelegt. In Seraing wiederum erhalten die Eigentümer, die sanieren wollen, konkrete Handreichungen zum Thema Sanierung. Turin und Riga gründeten keine eigene, neue Agentur. Sie werden zukünftig die Chemnitzer Arbeitsmethoden in bestehenden Institutionen bzw. Verbänden anwenden. 

Zwei praxisnahe Veröffentlichungen zum Nachahmen

Die Partnerstädte erarbeiteten gemeinsam zwei Dokumente, in denen die zentralen Ergebnisse des Netzwerkes zusammengefasst sind.
Im „Handbuch. Leerstehende Gebäude wiederbeleben. Das ALT/BAU Prinzip“sowie in ALT/BAU: Erfolgsrezepte. Reaktivierung leerstehender Gebäude und Wohnungen“ werden praxiserprobte Methoden und Vorgehensweisen aus den sieben Städten dargestellt. Schritt für Schritt wird der Prozess der Wiederbelebung von leerstehenden Gebäuden und auch Wohnungen beschrieben. So wird allen interessierten Städten ein Handlungsleitfaden zur Wiederbelebung leerstehender Gebäude zur Verfügung gestellt. Diese Broschüren stehen zum Download bereit. 

Zweisprachige Wanderausstellung 

Wie bereits beim Handbuch und den Erfolgsrezepten entwarfen die Partnerstädte 11 Poster, auf denen in kondensierter Form der Prozess in den Städten und die Zukunftsvision der jeweiligen Stadt dargestellt sind. In Chemnitz stehen diese Poster in zweisprachiger Ausgabe als Wanderausstellung zur Verfügung.  

Homepage des Netzwerkes

Die Ergebnisse aus zwei Jahren Netzwerkarbeit sowie praktische Hinweise zu Methoden der Wiederbelebung leerstehender, unsanierter Altbauten werden auf der Ergebnisseite des Netzwerkes dargestellt. 
Verschiedene Artikel und interessante Transfergeschichten aus der zweieinhalbjährigen Netzwerkarbeit kann man auf der URBACT Homepage auf englisch nachlesen. 

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