Aktuelles

Die Agentur StadtWohnen Chemnitz auf dem Prüfstand

21.01.2021

 

Die Ausgangssituation

Aufgrund der Teilnahme am europäischen Austauschprogramm URBACT wurde mit Beginn der Arbeit im Transfernetzwerk ALT/BAU eine lokale Arbeitsgruppe in Chemnitz gegründet. Diese Arbeitsgruppe setzte sich unter anderem das Ziel, die bisherige Arbeit der Agentur StadtWohnen Chemnitz zu bewerten und Möglichkeiten der Verbesserungen herauszuarbeiten. Ein wichtiger Schritt dafür war die Evaluation der Agentur durch einen externen Experten. Professor Jan Schaaf von der Hochschule Mittweida gab in seiner Evaluation auch einen Ausblick über mögliche zukünftige Arbeitsfelder der Agentur.

 

Die Evaluation der Agentur StadtWohnen Chemnitz

Die Evaluation erfolgte in drei Schritten: Zunächst wurde im Rahmen einer Dokumentenanalyse die Entwicklung der Agentur reflektiert. Durch Auswertung verschiedener Ergebnislisten der Agentur, Veröffentlichungen, Endberichte uvm., konnten Erfolgsfaktoren sowie gescheiterte Ansätze identifiziert werden. Zum anderen war es möglich, Arbeitsprozesse und Instrumente der Agenturarbeit zu bewerten. Mit dem Wechsel des Projektträgers 2012 wurden die Projektaktivitäten neu ausgerichtet. Seit 2013 wuchs der Pool der von der Agentur betreuten Objekte sowie die Zahl der renovierten und verkauften Gebäude stetig.

In einem zweiten Schritt erfolgte im Zeitraum von Oktober bis November 2019 eine schriftliche Befragung von Gebäudeeigentümern, die durch die Agentur begleitet wurden. Insgesamt wurden 108 Eigentümern aus vier Ländern in Briefform sowie digital angeschrieben und um die Beantwortung von Fragen zur Bewertung der Agentur, spezifischen Fragen zu Fördermitteln und um die Einschätzung der aktuellen Wohnungsmarktsituation in Chemnitz gebeten.
Durch die Auswertung der Fragebögen konnten weitere Stärken und Defizite der Agentur identifiziert und ein besseres Verständnis für die Wünsche und Bedürfnisse der Eigentümer herausgearbeitet werden. Mehrheitlich wurde die Zusammenarbeit mit der Agentur durch die Hausbesitzer als sehr positiv bewertet.

Im dritten Schritt wurden neun Interviews mit Vertretern von Eigentümern, ehemaligen und aktuellen Mitarbeitern der Stadtverwaltung Chemnitz sowie der WGS, als Trägerin der Agentur durchgeführt. In den Gesprächen wurden die Arbeitsweise, die Zusammenarbeit sowie Hindernisse und Innovationen der Agentur StadtWohnen Chemnitz thematisiert.

 

Die Ergebnisse der Evaluation

Im Ergebnis der gesamten Evaluation konnten Erfolgsfaktoren sowie die Verbesserungsmöglichkeiten der Agentur herausgearbeitet werden. Einer der wichtigsten Faktoren, der maßgeblich zum Erfolgbeitrug, war die Institutionalisierung sowie die inhaltliche Weiterentwicklung der Agentur seit 2013. Zu Letzterem zählen unter anderem das flexible Aufgabenfeld, die Ausweitung des Beobachtungsgebietes sowie die Teamlösung innerhalb der WGS.
Auch der Erfahrungsaustausch mit vergleichbaren Institutionen und Initiativen anderer Städte waren ebenfalls Erfolgsfaktoren. Als äußerer Umstand beeinflusste die Immobilien- bzw. Wohnungsmarktentwicklung der letzten Jahre die Tätigkeit der Agentur positiv. Die Auswertung zeigte auch, dass das Wissen um die Agentur und ihre Aufgaben geschärft werden sollte.

 

Wie geht es weiter?

Auf Grundlage der Evaluation entwickelt die lokale Aktionsgruppe mögliche, unterschiedliche Szenarien zur Tätigkeit der Agentur. Anhand dieser zunächst hypothetischen Szenarien wird herausgearbeitet, welche Tätigkeitsfelder die Agentur StadtWohnen Chemnitz zukünftig bearbeiten und in welchen Bereichen sie verstärkt tätig werden sollte. Die Szenarien decken ein weites Spektrum ab. Die Arbeitsfelder reichen beispielsweise von "weiter wie bisher" bis zu "die Agentur kümmert sich um sämtliche leerstehende Gebäude in Chemnitz". Die lokale Arbeitsgruppe stimmt sich zukünftig weiter über die möglichen Entwicklungslinien der Agentur ab. Zum Ergebnis dazu wird an dieser Stelle berichtet werden. 

 


„Neues Leben für alte Häuser“

15.12.2020

An dieser Stelle werden zukünftig Gebäude vorgestellt, die die Agentur StadtWohnen Chemnitz betreute oder betreut und es wird über Besonderheiten in ihrer Entwicklung berichtet. Zu erkennen sind die Häuser an dem Banner, das sie zu diesem Zeitpunkt tragen. Das ist Teil der neuen Agentur-Kampagne „Neues Leben für alte Häuser“. Die Kampagne startete mit einer stadtweiten Plakataktion im Oktober und November 2020 und einem Pressetermin anlässlich des „Internationalen Tages der Städte“ am 30.10.2020 vor der Straße der Nationen 47. Nicht jedes Agenturobjekt hat eine so spannende Vorgeschichte wie das ehemalige Münchner Hofbräuhaus. Doch auch bei den Häusern, die zukünftig näher vorgestellt werden, gibt es sehr interessante Aspekte. Diese lassen sich den Kategorien „belebt“, „in Sanierung“, „Käufer gesucht“ oder „das will die Agentur auch erreichen“ zuordnen.

Belebt und in Sanierung

Dass der Häuserkomplex an der Sebastian-Bach-Straße, zu dem die Häuser 2 bis 12 und drei weitere Gebäude gehören, heute noch steht, saniert und vermietet wird, hätte sich vor sechs Jahren niemand träumen lassen. Im Verkehrswertgutachten für die Häuser 2 und 4 wurde der Abriss nahegelegt, denn die Häuser wurden als baulich sehr schlecht bzw. ruinös bewertet. So wurde das

„Gebäude (Nr. 4) (…) wegen akuter Einsturzgefahr im Wesentlichen nur von außen besichtigt.“

Da die britische Eigentümerfirma keine Grundsteuer zahlte, konnte die Stadt Chemnitz ein Zwangsversteigerungsverfahren einleiten. Die „Freie Presse“ Chemnitz berichtete 2014 in dem Beitrag „Zwangsversteigerung als letzte Hoffnung für marode Häuser“ über dieses Instrument der Einflussnahme. Am 12.03.2015 wurden dann schließlich im Amtsgericht Chemnitz die Häuser Sebastian-Bach-Straße 2 und 4 versteigert. Bei der Zwangsversteigerung setzte sich eine Firma durch, die im Bauträgermodell in Chemnitz aktiv Häuser erwirbt, saniert und als Anlage verkauft. Die Firma hatte zuvor bereits die Gebäude Sebastian-Bach-Straße 8 und 10 in einer Auktion ersteigert und begann mit der Planung der Sanierung aller vier Häuser. Die Gebäude mit der Nummer 6 und Nummer 12 waren zu diesem Zeitpunkt von einem anderen Eigentümer renoviert worden.

Im Fall der Nummer 8 könnte das obige Motto in „Neues Leben für halbe Häuser“ abgewandelt werden – es stand nur noch das Erdgeschoss. Mittlerweile verfügt das Haus wieder über vier Stockwerke. Im Exposé der Sebastian-Bach-Straße 10 werden aktuell neun Wohnungen angeboten mit Größen von ca. 80 bis 133 m² mit Echtholzparkett, modernen Design-Badezimmern, einem Aufzug, sowie großen und hofseitig ausgerichteten Balkonen.

Die Agentur StadtWohnen Chemnitz betreute seit 2014 die unsanierten Gebäude in der Sebastian-Bach-Straße, hielt Kontakt zu den Interessenten, informierte diese zu anstehenden Ereignissen sowie zu den unterschiedlichen Fördermöglichkeiten. Nicht zuletzt stellte die Agentur den Kontakt zu den richtigen Ansprechpartnern in der Stadtverwaltung her. Das Kontrastbild, das die Tätigkeit der Agentur versinnbildlicht wie kein anderes, entstand in der Sebastian-Bach-Straße und zeigt den Lessingplatz 14 und das Haus Sebastian-Bach-Straße 2. 


Das Münchner Hofbräuhaus in Chemnitz – die Geschichte hinter einem Agenturobjekt

29.10.2020

Ausschnitt aus der historischen Bauakte

 

Das leerstehende Eckgebäude in der Straße der Nationen 47 hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. 1880 wurde es als Wohnhaus mit großangelegter Gastronomie erbaut, Bauherr war der bekannte Chemnitzer Gastronom und Delikatessenhändler Friedrich Bernhard Beyreuther. Das Haus stellte den Lückenschluss in der Straßenrandbebauung der damaligen Schillerstraße dar, der heutigen Straße der Nationen und wies ursprünglich eine reich verzierte Fassade auf. Die Besitzer wechselten nach dem Tod Beyreuthers und einer Zwangsversteigerung (1894) häufig. Unter anderem war auch die Actien-Lagerbier-Brauerei zu Schloss-Chemnitz ein Eigentümer. 1925 erwarb das Königlich Bayerische Hofbräuhaus das Gebäude und betrieb eine Gaststätte mit Biergarten. (Das königlich wurde später in der Bauakte gestrichen.) Eine weitere Verbindung zwischen der Stadt Chemnitz und der urbayerischen Institution besteht auch im Chemnitzer Architekten Max Littmann, der das Gebäude des Münchner Hofbräuhauses entwarf. 
In den Jahren nach 1925 wurde das Erdgeschoss umgebaut und der Eingang auf die Seite der Schillerstraße verlegt. Weiterreichende Umbaupläne wurden jedoch vom Bauamt abgelehnt. Die Pläne, das Nachbargebäude in der Zöllnerstraße zu erwerben, um die Küche erweitern zu können, konnten aufgrund des Kriegsverlaufes nicht verwirklicht werden. 

Nach dem zweiten Weltkrieg (1952) wurde der VEB Gebäudewirtschaft Karl-Marx-Stadt zunächst als Verwalter des Hauses eingesetzt, bis der staatliche Betrieb 1962 als Eigentümer ins Grundbuch eingetragen wurde. In den folgenden Jahren kam es zu weiteren Umbauten, die dem Haus sein heutiges, schlichtes Aussehen verliehen. So wurden 1975 die Erdgeschossräume umgestaltet, um der Verwaltung der Volkshochschule Platz zu bieten. 
Im Jahr 1995 kam es zur förmlichen Rückübertragung des Hauses an den Freistaat Bayern, genauer an das Staatliche Hofbräuhaus in München. Ohne bestehende Nutzungspläne war es ein langer Entscheidungsprozess für die Verantwortlichen im Hofbräuhaus, ob sie das Gebäude sanieren, selbst nutzen oder es verkaufen werden. 

Gebäude als Agenturobjekt und aktuelle Entwicklungen

Ca. 2016 musste aufgrund des sich verschlechternden Bauzustandes eine Sicherung an der Hofseite vorgenommen werden. Nach Abstimmung mit dem Stadtplanungsamt nahm die Agentur StadtWohnen Chemnitz mit dem Eigentümer, dem Freistaat Bayern, Kontakt auf. Es war ein langer Weg, bis der richtige Ansprechpartner in den verschiedenen Institutionen gefunden werden konnte. Regelmäßig fragte das Agenturteam nach aktuellen Entwicklungen und wies auf Interessenten am Gebäude hin. 2020 traf das Hofbräuhaus dann die Entscheidung, das Gebäude zu veräußern. Der Verkauf soll über eine öffentliche Ausschreibung mit einem voraussichtlichen Mindestgebot von 100.000 € erfolgen. Das Gebäude steht nicht unter Denkmalschutz und weist verschiedene Bauschäden auf. Die Straße der Nationen 47 liegt in einem Fördergebiet des Stadtumbau-Programmes über das Fördermittel zur Modernisierung beantragt werden können.

Das Team der Agentur StadtWohnen Chemnitz gibt gern weitere Informationen zum Gebäude und ermöglicht Begehungen für Interessenten. 

 


 


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