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Neues Leben für alte Häuser: Ein Denkmalenthusiast in Chemnitz in der Limbacher Straße 170/172

04.11.2021

2021 stellte die Agentur StadtWohnen Chemnitz anlässlich des „Internationalen Tages der Städte“ zwei denkmalgeschützte Gebäude an der Limbacher Straße vor. 

Die nebeneinander stehenden gründerzeitlichen Mietshäuser mit den Hausnummern 170 und 172 wurden ab 2018 von der Agentur StadtWohnen Chemnitz betreut. Seitdem gelang es, die Gebäude in die Hand eines Eigentümers zu bringen, was eine Sanierung erst möglich macht.

Der gemeinsame Eigentümer beider Häuser nahm am Pressegespräch teil und ermöglichte auch eine Besichtigung der Gebäude. Er konnte inzwischen beide Häuser mit einer Förderung aus dem Stadtumbauprogramm statisch sichern, so dass keine Einsturzgefahr mehr besteht. In den nächsten Jahren wird dann eine Sanierung erfolgen. 

Die Besonderheit beider Häuser ist, dass Deckenbemalungen im Treppenhaus bzw. in den Wohnungen noch original erhalten sind. Seit 1885 wurden diese nicht übermalt oder entfernt. Das ist nach so langer Zeit extrem selten. In einem der beiden Gebäude sind noch Originaltüren und Bodenfliesen erhalten. Der Eigentümer plant, all diese originalen Teile zu erhalten und zu restaurieren, um so den Charme der Gründerzeit und die Besonderheiten der Häuser zu erhalten. Er hat mit der Wiederherstellung original erhaltener Bauteile in Denkmalen bereits Erfahrung und scheut auch die Mehrarbeit und die Mehrkosten nicht. In diesem Beitrag berichtete er von der Sanierung eines weiteren Agenturobjektes auf dem Sonnenberg. 

Die beiden Denkmale sind nicht nur stadtbildprägende Gebäude an einer wichtigen Magistrale in Chemnitz, bei der Limbacher Straße 170 werden sich alteingesessene Chemnitzer gern an die Bäckerei Werner erinnern. Die Bäckerei, die mindestens bis in die 1990er Jahre betrieben wurde, war besonders bei den Schülern der Altendorfer Schule berühmt für ihre Kuchenränder und die Brote im besonderen Format. 

Während des Pressegesprächs wurden auch die Ergebnisse der Arbeit im europäischen URBACT Netzwerk ALT/BAU vorgestellt.


Limbacher Straße 152

11.10.2021

Am 25. Oktober 2021 findet beim Amtsgericht Chemnitz die Versteigerung zum „Zwecke der Aufhebung der Gemeinschaft“ des leerstehenden Mietshauses Limbacher Straße 152 im Stadtteil Altendorf statt. Der Verkehrswert wurde auf 178.000 € festgesetzt. Laut Gutachten ist das 630 m² große Grundstück bebaut mit einem dreigeschossigen und unterkellertem Wohnhaus aus dem Jahr 1911 mit ausbaubarem Dachgeschoss. Die Wohnfläche wird auf ca. 488 m² geschätzt. Das Gebäude ist komplett unsaniert, insbesondere das DG ist nach jahrelangem Leerstand in einem schlechten baulichen Zustand. Das Grundstück, auf dem auch ein zweigeschossiges Nebengebäude steht, liegt teilweise im Überschwemmungsgebiet des angrenzenden Pleißenbaches. Weitere Informationen finden Sie in den beigefügten Dokumenten oder erhalten Sie auf Rückfrage von der Agentur StadtWohnen Chemnitz.

Amtliche BekanntmachungPDF-Datei | 200 kB

ExposéPDF-Datei | 121 kB

SteckbriefPDF-Datei | 254 kB


Neues Leben für alte Häuser: Markusstraße 35 – die lange Geschichte eines Agenturobjektes

13.08.2021

Ein besonderer Fall in der Tätigkeit der Agentur in den vergangenen 10 Jahren war die Markusstraße 35 auf dem Sonnenberg. Dieses Haus war herrenlos, da dessen letzter Eigentümer auf das Eigentum verzichtet hatte. Auf dem Gebäude lagen Grundschulden im sechsstelligen Bereich. Eine große Zahl an Gläubigern harrte im Hintergrund. Gemeinsam mit dem Staatsbetrieb „Sächsisches Immobilien und Baumanagement“ (SIB) begann die Agentur StadtWohnen Chemnitz ab Dezember 2012 tätig zu werden. Das SIB nahm Kontakt zu den Gläubigern des ehemaligen Eigentümers auf. Die Agentur informierte Investoren zur Situation des Gebäudes. Um eine Lösung für das komplexe Problem zu erreichen, musste ein Investor mit großem Durchsetzungsvermögen, Verhandlungsgeschick und Geduld gefunden werden.

Das Agenturteam führte in den folgenden Monaten viele Besichtigungen mit verschiedenen Interessenten durch. Einige wurden vom Zustand des Gebäudes abgeschreckt, andere kamen in den Gesprächen mit dem Hauptgläubiger nicht weiter. So wurden durch das SIB und die Stadt Chemnitz erste Überlegungen über eine Zwangsversteigerung laut. Zwangsversteigerungen sind zwar ein Mittel, um eine „verfahrene“ Eigentumssituation zu klären. Doch ob derjenige, der den Zuschlag bei der Versteigerung erhält, tatsächlich mit der Rettung und Sanierung des jeweiligen Gebäudes beginnt, ist ungewiss.

2015 hatte die Agentur einen Investor gefunden, der starkes Interesse an dem Gebäude zeigte. Die Stadtverwaltung Chemnitz hatte inzwischen die Markusstraße 35 auf die Liste der Gebäude gesetzt, die in einem derartig schlechten Zustand sind, dass sogenannte Sicherungsmittel bereitgestellt werden. Positiv für den Interessenten war zudem, dass der Hauptgläubiger seine Forderungen stark absenkte. Da das Gebäude offiziell herrenlos war, konnte der Investor es erst über das sogenannte Aneignungsrecht im Oktober 2016 erhalten. Im Anschluss musste er mit den einzelnen Gläubigern über deren Forderungen verhandeln. Die Sicherungsarbeiten am Haus begannen parallel dazu. Ganze Decken und die Dachkonstruktion mussten ausgetauscht werden. Die Bauarbeiten verliefen recht dramatisch – so verlangsamten unter anderem ein unverhoffter Deckeneinbruch und unabhängig davon der Tod des Vorarbeiters sowie starke Sturmschäden den Baufortschritt erheblich.

Wie konnte das Haus in einen derart schlechten Zustand gelangen? Bereits vor der politischen Wende war das Gebäude baulich vernachlässigt worden. Errichtet 1902 erhielt der damalige Eigentümer bereits 1937 die Auflage, die Fassade auf der Hofseite zu sanieren, weil von ihr Gefahr für die Bewohner ausging. Die Bewohner des Hauses beschwerten sich regelmäßig über die Feuchtigkeit und aufsteigende Nässe. In einem Gutachten wurde der Gebäudewirtschaft 1976 dringend eine Sanierung empfohlen. Doch 1988 musste die Staatliche Bauaufsicht in einem weiteren Gutachten feststellen „Es ist verwunderlich, dass innerhalb von 12 Jahren keine wesentlichen Unterhaltungen durchgeführt wurden“. Für das Denkmal Markusstraße 35 kam die politische Wende gerade rechtzeitig.

Mittlerweile wurde das Gebäude saniert, die letzten Ausbauarbeiten im Innenbereich werden derzeit durchgeführt.

Fotos von links nach rechts: Bauzeichnung 1902 aus der historischen Bauakte, Straßenansichten 2016, Stuckdetails im Eingangsbereich, Besichtigung der Baufortschritte, Austausch der Decken war notwendig, Sanierung 2021 fast abgeschlossen, Banner der Agentur am Gebäude (Sommer 2021)

 


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