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Neues Leben für alte Häuser - Projekthaus Brühl 71

06.05.2021

Im Frühjahr 2021 ist das Projekthaus Brühl 71 noch Baustelle, befindet sich zwischen Abbruch und Aufbau. Doch die Idee steht: „Wir wollen hier mit Freunden im gleichen Haus wohnen, Kinder gemeinsam aufwachsen sehen. Und gemeinsam gestalten wir den Projektraum fürs Viertel.“

Das jetzige Projekthaus hat eine lange Vorgeschichte. Der Kreis von Freunden kennt sich schon seit Jahren, hat gemeinsam Kulturveranstaltungen und Festivals organisiert. Mit dem Nachwuchs kamen nach und nach gemeinsame Kinder-aktivitäten dazu. Irgendwann schwirrte die lockere Idee durch den Raum „Warum ziehen wir nicht zusammen?“ Einigen reichten die losen Ideen nicht mehr und sie besuchten einen Workshop „Rechtsformen für Hausprojekte“. Gleichzeitig wurde bei anderen die Wohnsituation unsicher.

Daraufhin gaben sich im Sommer 2018 einige Freunde einen Ruck: Sie stöberten auf Immobilienbörsen im Internet, fragten bei der Agentur StadtWohnen Chemnitz nach passenden Häusern, befragten Makler und fuhren auch einfach mit offenen Augen durch die Stadt, immer auf der Suche nach geeigneten leeren Häusern. Mit konkreten Häusern im Blick beriet die Gruppe gemeinsam ein Wochenende lang und tauschte sich über grundsätzliche Fragen aus: Wer will wie wohnen? Wie wird das Ganze finanziert? Aus dem Freundeskreis entstand ein Verein, mit dem Ziel, ein „selbstorganisiertes und sozial gebundenes Mietshausprojekt“ zu schaffen.

Am Anfang schien die Kostenbarriere sehr hoch, die Mitglieder der Gruppe mussten sich auch an die großen Zahlen gewöhnen. Hier half es, sich mit Finanzplänen zu beschäftigen und zu sehen, wie sich ein Kaufpreis tatsächlich auf die Miete im Haus auswirkt. Unterstützung bot dabei der Verbund des „Mietshäuser Syndikats“.

Auch Rückschläge gab es: Ein Haus in Altchemnitz war gefunden, ein Kaufvertrag in Entwicklung. Die Gruppe wähnte sich schon kurz vorm Ziel, als einige Risse im Gebäude Zweifel weckten. Gemeinsam mit der Architektin des Teams „Kooperative Wohnformen Chemnitz“ gab es eingehendere Untersuchungen. Es wurden Gebäudeschäden deutlich, die erst auf den zweiten Blick sichtbar waren. Die Sanierung hätte somit sehr große finanzielle Risiken bedeutet. Schweren Herzens nahm die Gruppe wieder Abschied vom Traumobjekt.

Der zweite Anlauf dann am Brühl

Im Sommer 2019 kommt die Gruppe mit der GGG, dem kommunalen Wohnungsbauunternehmen, in Kontakt. Nach längeren Verhandlungen wurde man sich schließlich darüber einig, dass die GGG die grundhafte Instandsetzung des Hauses übernimmt, der Verein in Eigenleistung den Innenausbau durchführt. So haben alle die Möglichkeit, die Wohnungen durch Eigenleistungen selbst zu gestalten und nach den eigenen Vorstellungen auszubauen. Langfristige Planbarkeit entsteht durch die Laufzeit von 15 Jahren mit der Möglichkeit, um nochmals 15 Jahre zu verlängern. So bleiben die Mieten dauerhaft leistbar und die Investitionskosten der Bewohnerinnen und Bewohner können wieder abgezahlt werden.

Kaum war der Vertrag im November 2020 unterzeichnet, ging es auch schon los: viele Steine wurden in Container gebracht, Bautreffen und Planungsrunden durchgeführt. Corona machte es nicht einfacher, aber so ein Haus bietet ja viel Platz, an unterschiedlichen Stellen zu arbeiten. In den oberen Etagen entsteht Raum für das gemeinschaftliche Wohnen: Jede der vier Parteien (drei Familien und eine WG) hat eine Wohnung, jedoch steht das Gemeinschaftliche ganz oben: „Wir verstehen das Haus als Haus der offenen Türen.“ beschreibt das Frank aus der Projektgruppe. Das zeigt sich schon jetzt: „Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, einmal in der Woche treffen sich alle.“ Auch der Innenausbau passiert gemeinschaftlich – alle packen mit an. Ob beim Vorrichten oder bei der Kinderbetreuung. Der Hof soll gemeinsam mit den Nachbarinnen als Gemeinschaftshof genutzt werden.
Im Erdgeschoss öffnet sich der „Projektraum“ zum Brühl. Hier entsteht neben einer großen Küche ein Gemeinschaftsraum, der auch anderen Vereinen im Viertel zur Verfügung stehen soll. Und gerade wird schon überlegt, wie die Ideen des Vereins im Rahmen der Kulturhauptstadt 2025 Platz finden.

Autor: Michael Stellmacher vom Team „Kooperative Wohnformen Chemnitz“ (KWC)


Der 14. Tag der Städtebauförderung am 08. Mai 2021

06.05.2021

 

Am 8. Mai 2021 findet erneut der bundesweite Tag der Städtebauförderung statt. Da Stadtteilführungen zu Förderprojekten dieses Jahr nicht möglich sind, stellen das Stadtplanungsamt, dessen Partner und Akteure in der Stadterneuerung in Texten, Videos und Fotodokumentationen die Ergebnisse der Städtebauförderung in Chemnitz vor. Das Team der Agentur StadtWohnen Chemnitz und die Kooperativen Wohnformen Chemnitz (KWC) berichten in diesem Video über einen Aspekt ihrer Tätigkeit. Ein Wohnprojekt, dass dank der Kooperation zwischen KWC und Agentur ein Haus in Chemnitz erwerben konnte, erzählt vom langen Weg dahin. 

 


Zeit zum Austausch - wie belebt man lange leerstehende und unsanierte Häuser?

13.04.2021

In einer Vielzahl europäischer Städte finden sich Straßenzüge oder ganze Stadtteile, die stark vom Leerstand betroffen sind. Die Gebäude sind häufig bedeutsam für die Geschichte und Identität der Stadt, prägen das Viertel und sind es Wert, erhalten und wiederbelebt zu werden. 

Doch wie sollen die Städte an das Leerstandsproblem herangehen? Wie kann man zum Beispiel komplizierte Eigentümerstrukturen lösen? Wie können Eigentümer unterstützt werden? Wie kann man Investoren für die Gebäude finden?

Nach zwei Jahren intensivem Austausch im Transfernetzwerk ALT/BAU werden die ALT/BAU Städte über Grundlagen, Methoden und Erfolge in der Reaktivierung leerstehender Gebäude in einem virtuellen Webinar berichten. 

Die sieben europäischen Partnerstädte Chemnitz, Constanta, Rybnik, Seraing, Vilafranca del Penedes, Turin und Riga wollen ihre Ergebnisse mit interessierten Städten teilen. Sie berichten darüber, welcher Ansatz geeignet ist, um ein Altbaumanagement zu schaffen, das sich um die Reaktivierung leerstehender Gebäude kümmert. Das Netzwerk hat ebenfalls ein Guidebook erarbeitet und eine Sammlung guter Praxisbeispiele erstellt. Diese Dokumente stellen praxiserprobte Methoden plastisch dar.  

In dem Webinar, das am 19.04.2021 um 09.00 Uhr startet, werden folgende Themen vorgestellt:

-    Datenerfassung und Monitoring leerstehender Gebäude in der Stadt. Möglichkeiten des Geoinformationssystems (GIS), partizipative Onlinekartierung, Begehungen
-    Aktivierung und Unterstützung von Eigentümern 
-    Aktivierung und Unterstützung von Interessenten und Investoren
-    Kontaktaufnahme zu privaten Akteuren und zu Akteuren in den Verwaltungen
-    Der Ansatz des ALT/BAU Netzwerkes und seine Bedeutung bei der Wiederbelebung urbaner Gebiete in der post-COVID Zeit. 

 

Die vollständige Agenda steht hierzum Download bereit. 

Unter diesem Anmeldelink können Sie sich für die Veranstaltung auf Airmeet, 19.04.2021, 09.00 Uhr registrieren. Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt. 

 


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